NÖ-Zeitgeschichte: Anton Rohrmoser im Buch „Karge Kindheiten, Kaiabis und Karrieren“ des NÖ Instituts für Landeskunde

Buchpräsentation "Karge Kindheiten, Kaiabis und Karrieren" in der NÖ Landesbibliothek – Podium der Zeitzeugen
Das Podium der Zeitzeugen – Buchpräsentation „Karge Kindheiten, Kaiabis und Karrieren“ in der NÖ Landesbibliothek (Foto: © magzin.at)
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Anton Rohrmoser im Buch „Karge Kindheiten Kaiabis und Karriern“ des NÖ Instituts für Landeskunde

Anton Rohrmoser, der heute in Gföhl lebt, war einer der wichtigsten Initiatoren moderner Regionalentwicklung im Waldviertel ab 1978. Das Buch „Karge Kindheiten, Kaiabis und Karrieren“, das die Lebensgeschichten von 21 NiederösterreicherInnen erzählt, die das Land „geprägt und gestaltet“ haben, würdigt und dokumentiert auch das Lebenswerk von Anton Rohrmoser. Das Buch, vom NÖ Institut für Landeskunde verlegt, war von Wolfgang Sobotka initiiert worden. Es erzählt u.a. auch aus den Biographien von Siegfried Ludwig, Ernst Höger, Burkhard Ellegast, Maria Loley, Erich Fidesser und Anna-Maria Figdor.

von Andreas Wagner

In den 1980er Jahren war das Waldviertel Vorbild und Vorreiter völlig neuer Formen ländlicher Regionalentwicklung. Zu den Initiatoren und wichtigsten Protagonisten der damaligen Aufbruchsbewegung in der ländlichen Regionalentwicklung gehörte Anton Rohrmoser, der 1945 im Salzburger Land in einer Bergbauernfamilie geboren wurde und heute in Gföhl lebt. Das sehr lesenswerte Buch „Karge Kindheiten, Kaiabis und Karrieren – Niederösterreichische Aufstiegsgeschichten“ des NÖ Instituts für Landeskunde erzählt nun Schlüsselstellen aus der Biografie von Anton Rohrmoser. Es würdigt damit seine Lebensarbeit und ingesamt die von 21 Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern.

Es sind besondere Persönlichkeiten, die „in und mit Niederösterreich ihren Lebensweg gegangen sind, die dieses Land geprägt und gestaltet haben“, schreibt Wolfgang Sobotoka, der heutige Bundesinnenminister Österreichs und frühere NÖ-Landeshauptmannstellvertreter, im Vorwort zum Buch. Auch NÖ-Landesrat Karl Wilfing zeigte sich begeistert. „Dieses Buch nachzulesen, ist sicherlich sehr, sehr spannend“, sagte er anlässlich der Buchpräsentation in der NÖ-Landesbibliothek in St. Pölten, da es von Menschen erzählt, die durch besondere Innovationen „unser Land dorthin gebracht haben, wo wir heute stehen und sind“.

Von Siegfried Ludwig bis Ernst Höger, von Burkhard Ellegast bis Maria Loley und Anna-Maria Figdor

Das Buch enthält die Lebenserinnerungen u.a. von Siegfried Ludwig, NÖ-Landeshauptmann 1981-1992, und Ernst Höger (SPÖ), NÖ-Landeshauptmannstellvertreter 1986-1999. Aber auch Burkhard Ellegast, Abt des Stift Melk bis 2001, erzählt darin. Außerdem u.a. Maria Loley, Anna-Maria Figdor (Schloss Heiligenkreuz), Bijan Khadem-Missagh (Allegro Vivo; GLOBArt), Erich Fidesser (Hilfswerk), Edmund Freibauer, Margarete Horvatits, Anton Koczur, Wilhelm Stift, Gottfried Schuh, Diether Schiefer. Und eben Anton Rohrmoser.

Großer Reformaufbruch in der ländlichen Regionalentwicklung

Im Jahr 1978 war Anton Rohrmoser ins Waldviertel gekommen. Sein Ziel war, ein völlig neues Konzept einer ländlichen Regionalentwicklung „von unten“ zu verwirklichen. Dafür hatte er seinen Job als Zentralsekretär der „Katholischen Jugend Land“ Österreichs (KJL) aufgegeben.

Anton Rohrmosers Konzept war ganz neu – die „Gemeinwesenarbeit“. Es war in engem Austausch mit seinem Bruder Franz Rohrmoser entstanden, der 1974 die Österreichische „Bergbauernvereinigung“ mitbegründete. Mit dem Konzept der „Gemeinwesenarbeit“ brachte Anton Rohrmoser ab 1978 im Waldviertel eine Entwicklung in Gang, die im Zusammenspiel und Wetteifer mit anderen Akteuren (wie etwa Adi Kastner aus Zwettl) die ländliche Regionalentwicklung völlig veränderte.

Buchpräsentation "Karge Kindheiten, Kaiabis und Karrieren" – Anton Rohrmoser, Ernst Höger und Moderator Reinhard Linke
NÖ Landesbibliothek – Podiumsdiskussion: Anton Rohrmoser (re.) neben Alt-LH-Stv. Ernst Höger und Moderator Reinhard Linke (li.) vom ORF-NÖ (Foto: © magzin.at)

Aufgrund eben dieser Aktivitäten avancierte die Regionalentwicklung sehr schnell zu einem wichtigen Thema der Landes- und Bundespolitik. Und in weiterer Folge wurden umfangreiche Förder- und Beratungsstrukturen im ländlichen Raum etabliert. „Damals, das war 1978, hat es alles das, was es heute hunderte Male an Regionalentwicklungssstrategien gibt, noch nicht gegeben: Regionalbetreuung, Arbeitsmarktbetreuung, Umweltbetreuung, Regionalmanagement und wie das alles heißt. Noch dazu hat es dazumals nur die traditionelle Regionalpolitik von oben nach unten gegeben: mit Waldviertelplänen und Industrieansiedlungen“, erinnert sich Anton Rohmoser im Buch „Karge Kindheiten, Kaiabis und Karrieren“. Der von ihm mit angestoßene Strukturwandel war, im Rückblick gesehen, enorm.

Kaiabis: Die Brüder Rohrmoser als Entwicklungshelfer in Brasilien

„Was Kaiabis bedeutet, dazu werden wir am meisten gefragt“, berichtete Katharina Novy bei der Buchpräsentation in St. Pölten. „Kaiabis, das bezieht sich auf Anton Rohrmoser.“ Gemeinsam mit Gert Dressel ist Katharina Novy die Herausgeberin des Buchs. Beide sind führende Experten auf dem Gebiet der „Oral History“, der „mündlich erzählten“ Zeitgeschichts-Forschung. Stefan Eminger, der Referent für Zeitgeschichte am NÖ Landesarchiv, hatte sie für das Projekt gewonnen.

Kaiabis? Die Kaiabi sind ein kleines, indigenes Volk in einem entlegenen Amazonasgebiet Brasiliens. Drei Jahre lange, von 1966 bis 1969, war Anton Rohrmoser bei den Kaiabis als Entwicklungshelfer, gemeinsam mit seinem älteren Bruder Franz Rohrmoser, von dem der Anstoß dazu kam: „Damals gab es die ersten Entwicklungshelfer, die vom Landjugendwerk der Katholischen Jugend entsendet worden sind“, erzählt Anton Rohrmoser im Buch. „Dadurch hat in erster Linie mein Bruder Franz Feuer gefangen und hat sich beim Entwicklungsdienst beworben.“

Die Zeit als Entwicklungshelfer bei den Kaiabis, gemeinsam mit seinem Bruder Franz, wurde für Anton Rohrmoser zum Schlüsselerlebnis. Was er ab 1978 im Waldviertel in der ländlichen Regionalentwicklung leistete, wurde dadurch vorbereitet. „Nachdem wir mit dem Schiff nach Brasilien gefahren waren, waren wir zunächst einmal in Rio. Das war natürlich ein Eindruck: diese Multikulturalität!“, berichtet Anton Rohrmoser im Buch. „Dann ist es losgegangen in den Urwald hinein. Wir sind mit einem Lkw einen Tag bis zur ersten Missionsstation. […] Von dort sind wir dann die Flüsse entlang mit einem kleinen Motorboot zu den Kaiabi-Indianern gefahren.“ Volle sechs Tage lang dauerte allein diese Bootsfahrt auf der letzten Strecke, um zu den Kaiabis zu kommen.

In einer Gruppe von vier jungen Entwicklungshelfern lebten Franz und Anton Rohrmoser bei den Kaiabis, um deren Lebenssituation zu verbessern. Zum Schluss ließ sich ein gutes Ergebnis formulieren: „Das waren wirklich Dinge, die man von Punkt null auf experimentiert und entwickelt hat. Bei den Missions- und Jesuitenpatres waren ein paar sehr fortschrittliche dabei. Aber vor allem die Jüngeren, die in der Entwicklungsdynamik – wie kann man überhaupt in Brasilien etwas weiterbringen – waren, haben sich gedacht: Was die vier Leute da in den drei Jahren zustande gebracht haben, ist allerhand.“

Der Volkspädagoge Paulo Freire als Vorbild für soziale Innovationen auf dem Land

Zurück in Österreich ging Anton Rohrmoser nach Telfs in Tirol, um sich im Franziskanerkloster auf die Matura vorzubereiten. Nach dieser folgten Studium und Promotion in Wien in Pädagogik und Politikwissenschaften. Er vertiefte sich weiter in die Bücher des großen Volkspädagogen Paulo Freire (1921-1997). „Paulo Freire war ein brasilianischer Volkspädagoge, der […] ein neues Konzept für Bewusstseinsbildungsprozesse gestartet und durchgeführt hat. […] Seine Pädagogik hat mich unglaublich fasziniert.“

Anton Rohrmoser wurde sodann Zentralsekretär der Katholischen Jugend Land. Er entwickelte die Methode der „aktivierenden Befragung“, die, in kleinen Projekten auf dem Land umgesetzt, sich zunächst an Jugendliche richtete. „Ich habe das, was Paulo Freire seine Bewusstseinsbildungs-strategie genannt hat, umgewandelt, vereinfacht und modelliert auf eine neue Methode, die ‚aktivierende Befragung’. Das war ein irrsinnig interessantes Modell.“ Nicht nur, wie es den Jugendlichen in den Dörfern geht, sondern auch in welchen sozialen, pädagogischen und politischen Zusammenhängen sie in ihren Gemeinden leben, wurde gefragt und mit ihnen diskutiert; genauso wie neue Ideen und Ansatzpunkte, die eigenen Interessen zu verwirklichen. Die „aktivierende Befragung“ war umrissen und verstanden als Ausgangspunkt sozialer Erneuerung und Wandlung auf dem Dorf.

Diese Arbeit begeisterte die Jugendlichen auf dem Land. Aber dauerhafte Ergebnisse blieben vorerst aus. „So hat mich dann die Gemeinwesenarbeit sehr interessiert“, erzählt Anton Rohrmoser im Buch. Er erweiterte seine Konzeption der „aktivierenden Befragung“. Berichte und Ergebnisse englischer und amerikanischer Gemeinwesenarbeit wurden eingearbeitet. „Das Grundprinzip ist immer“, beschreibt Rohrmoser im Buch, „dass die Betroffenen selber ihre Situation erkennen und durch gemeinschaftliche Selbsthilfe Lösungen erarbeiten und umsetzen. Das ist das Grundprinzip der Gemeinwesenarbeit. Und die aktivierende Befragung ist strategischer Bestandteil davon.“

Das Waldviertel als Vorreiter ländlicher Regionalentwicklung

Um die ländliche „Gemeinwesenarbeit“ kontinuierlich durchführen zu können, bewarb sich Anton Rohrmoser für eine neue berufliche Stelle als katholisch-kirchlicher Jugendleiter in einem „strukturschwachen Gebiet“. Da im Waldviertel zu dieser Zeit eine solche frei war, zog er 1978 mit seiner Familie nach Marbach im Walde bei Zwettl, um die neue Arbeit zu beginnen.

Noch im Herbst 1978 gründete er im Sinne seiner „Gemeinwesenarbeit“ den „Arbeitskreis Land“ im Waldviertel. Es gab Gruppentreffen, öffentliche Diskussionsveranstaltungen zu bäuerlichen Themen und kritische Theaterarbeit. Mit der großen „Kartoffelaktion“ im Jahr 1979 startete der Arbeitskreis Land – und zwar in Kooperation mit der „Bergbauernvereinigung“, deren Geschäftsführer Franz Rohrmoser war –ein allererstes Projekt bäuerlicher Direktvermarktung, der die Gründung von BERSTA und EVI folgten, die Bauern und Konsumenten in Wien und St. Pölten direkt verbanden. Auch das war eine umwälzende Neuerung. Sie trug in den Folgejahren erheblich zur Bewusstseinsbildung bei zugunsten ökologischen Landbaus und erhöhter Wertschöpfung durch Veredelung von Landwirtschaftsprodukten. Als ein weiterer Schritt geschah 1982 die Gründung eines von den Mitarbeitern selbstverwalteten Betriebes im Waldviertel, der 1984 zwei weitere folgten.

Im Jahr 1983 gab es dann ein großes Zwischenresumee. Die bisherigen Erfahrungen mit der „Gemeinwesenarbeit im ländlichen Raum“ wurden reformuliert. Es entstand ein erweitertes Leitkonzept für eine ländliche Regionalentwicklung „von unten“ – das Konzept der sog. „Eigenständigen Regionalentwicklung“. Parallel fand die Gründung der „Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Eigenständige Regionalentwicklung“ (ÖAR) statt, deren erster Obmann Anton Rohrmoser wurde.

Spezifisch fürs Waldviertel rief man die „Waldviertler Bildungs- und Wirtschaftsinitiative“ (BWI) ins Leben, mit ebenfalls Anton Rohrmoser an der Spitze. Allein bis 1987 schuf die BWI durch ihre vielfältigen Aktivitäten, Initiativen und Projekte dann mehr als 300 neue Arbeitsplätze im Waldviertel sowie eine jährliche Netto-Wertschöpfung von zusätzlich 1,24 Mio. Euro im Waldviertel. Alles das waren beträchtliche Erfolge für eine Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Situation auf dem Lande, die auf Anton Rohrmoser, seine Initiativen, sein unermüdliches, kreatives Engagement und sein Konzept der „Gemeinwesenarbeit“ zurückgingen.

Buch und Interviews – eine Initiative von Wolfgang Sobotka

Den Startpunkt zum Buch „Karge Kindheiten, Kaibis und Karrieren“ schuf Wolfgang Sobotoka, der heutige Bundesinnenminister und frühere NÖ-Landeshauptmannstellvertreter. 2006 beauftragte er das NÖ Landesarchiv, ein „Oral History-Projekt“ durchzuführen, um, wie Sobotka im Vorwort des Buches schreibt, die zeitgeschichtlichen Erinnerungen „kultureller, politischer und wirtschaftlicher Eliten aller gesellschaftlichen Ebenen in Niederösterreich aus den letzten sechzig Jahren“ zu dokumentieren und zu sichern. Zweifellos ein politisch und kulturell richtiges Anliegen, um auch das historische Selbstbewusstsein von Niederösterreich zu stärken, das sich seit Gründung der eigenen Landeshauptstadt (mit Wegverlegung des Zentrums aus Wien) im Jahr 1986 enorm entwickelt und modernisiert hat. Über die Schritte zur eigenen Landeshauptstadt St. Pölten erzählt auch das Buch selbst – insbesondere in den Lebenserinnerungen von Siegfried Ludwig und Ernst Höger.

Nachdem der Anstoß durch Wolfgang Sobotka gegeben war, wurde Stefan Eminger, der Zeithistoriker am NÖ Landesarchiv, mit der Projektleitung betraut. Im Jahr 2008, nach Vorbereitung und Konzipierung, starteten demgemäß unterm Namen „Rückschau halten“ vier Interviewreihen – mit Niederösterreichern und Niederösterreicherinnen, „die dieses Land geprägt und gestaltet haben“; und zwar in den Bereichen Politik (Land und Gemeinden), Wirtschaft, Kunst, Kultur, Kirchen oder durch hervorragend innovatives zivilgesellschaftliches Engagement.

„Oral History“: Warum erzählte Geschichte attraktiv ist?

„Lebensgeschichten sind attraktiv geworden“, schreiben Katharina Novy und Gert Dressel, die die Interviewreihe als Oral History-Projekt leiteten, in ihrer Einführung zum Buch „Karge Kindheiten, Kaiabis und Karrieren“. Der Zugang der Oral History (der „mündlich erzählten Zeitgeschichte“) ist ein besonderer: Durch sog. „narrative Interviews“ wird den persönlichen, subjektiven Erfahrungen der Interviewten, ihren eigenen Sichtweisen auf die großen geschichtlichen Ereignisse, Platz geboten. Andererseits wird das Spektrum erweitert, was für die Geschichtsforschung von Belang und Interesse ist. Im doppelten Sinne, nämlich: In der Oral History wird auch die Alltagsgeschichte einbezogen (Familienleben, Berufsleben, spezifische Erfahrungen als Frauen). Und es wird der Kreis der Personen erweitert, die als Teil der Geschichte zu Wort kommen. So spiegelt auch das Buch ein breites, plurales Bild Niederösterreichs durch die Unterschiedlichkeit der interviewten Zeitzeugen, d.h. eine gute Streuung „bezüglich sozialer und regionaler Herkunft, Geschlecht oder Parteizugehörigkeit“.

Zudem wird Geschichte in den selbst erzählten biografischen Rückblicken anschaulicher. „In lebensgeschichtlichen Erzählungen“, so Katharina Novy und Gert Dressel in ihrer Einleitung, „werden Handlungs- und Sichtweisen, Umstände und Perspektiven im Detail sichtbar. Das macht solche Erzählungen für geschichts- und sozialwissenschaftliche Forschung ebenso attraktiv wie für interessierte LeserInnen.“ Die Oral History blickt in die Lebenswelten der Menschen, zeigt sie sozusagen als „Geschichte in der Geschichte“. Allerdings hat die Oral History die Tendenz, die objektivierende Ereignis- und Strukturgeschichte zu marginalisieren, die den Einzelbiografien doch erst ihre volle Bedeutung gibt. Zwar sind Historiker davor gefeit, Geschichte nur als subjektiv und personal zu begreifen (statt auch strukturell und in aller Breite auf objektive Ereignisse bezogen), nicht aber Leserin und Leser.

Besondere Themen des Buchs „Karge Kindheiten, Kaiabis, …“

In „Karge Kindheiten …“ sind die Lebenserinnerungen der interviewten Zeitzeugen in Einzelpassagen aufgeteilt und nach Themen gruppiert. Man liest also die Erinnerungen der Interviewten ergänzend und kontrastierend in thematischen Blöcken wie „Kindheit in Nationalsozialismus, Krieg und Nachkriegszeit“, „Karriereeinstiege“, „Zu hause“, „Vom Rande gesehen“, „Drinnen und draußen als Frau“, „Zusammenspiel mit der Familie“ oder „Hierarchie, Kooperation und Konflikt“ oder „Wichtige Institutionen im Land: Katholische Kirche, Medien und Raiffeisen“. Mit dieser aspektereichen, klugen sozialwissenschaftlichen Konzeption vermittelt das Buch ein äußerst facetten- und kontrastreiches Bild von Geschichte und Alltag. Das besondere Interesse am Buch besteht aber dennoch darin, dass es Personen darstellt, die seit 1970 in Niederösterreich in den sozialen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Strukturen, also für das Gemeinwesen und das Gemeinwohl in Niederösterreich, vieles erreicht, vieles verändert und verbessert haben.

© Dr.phil. Dipl.-Pol. Andreas Wagner, CR / © magzin.at

Fotos: © magzin.at / Andreas Wagner
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