
Fast 200 Bilder umfasst die Ausstellung Christus Heute, die Makis E. Warlamis (im Bild) im Lauf von zehn Jahren gemalt hat.
„Es ist wahrlich unmöglich, Christus zu malen“, sagt Makis Warlamis, der Maler, Architekt, Designer und Autor griechischer Herkunft, der seit langem im Waldviertel lebt und von hier aus seine Kunst in alle Welt trägt. Noch bis 15. Jänner ist seine Jahresausstellung „Christus Heute – Faszination.Christus.Erleben“ zu sehen – im Waldviertler Kunstmuseum, das Makis Warlamis und seine Frau, Heide Warlamis, 2009 in Schrems eröffneten.
Ein scheinbarer Gegensatz: moderne Kunst und christliche Spiritualität
Fast 200 Bilder von Christus umfasst die Ausstellung „Christus Heute“, fast alle von Makis Warlamis selbst geschaffen. Intensiv und höchst beeindruckend. Sprühend vor Farbe, vibrierend, verbinden sie scheinbare Gegensätze: moderne zeitgenössische Kunst und christliche Spiritualität.
Zehn Jahre hatte Makis Warlamis an seinen Christus-Bildern gearbeitet, bevor sie ausgestellt wurden. Kein Bild gleicht dem andern – in der Ausführung. „Es ist wahrlich unmöglich, Christus zu malen, aber gerade diese Unmöglichkeit macht mein Christus-Projekt möglich“, schreibt Warlamis.
“Sein Gesicht leuchtet wie die Sonne, sein Anlitz ist wie der Blitz”
Die Reaktionen der Besucher sind überaus positiv, berichtet Bernhard Antoni, der Warlamis schon viele Jahre begleitet und die Ausstellung kuratierte. „Zu 100 Prozent. Sie können unser Gästebuch durchblättern. Von der ersten bis zur letzten Seite herrscht darin Ergriffenheit.“
Schon die künstlerische Qualität der Warlamis-Bilder ist ein Erlebnis und hinreißend. Moderne Kunst, mit unglaublichem Reichtum der Farben, Formen und Facetten.
Zugleich wohnt allen Bildern eine tiefe innere Beziehung ein, eine Innerlichkeit und starke Emotionalität: „Für mich ist das Zentrum des Universums das Licht“, so Warlamis. „Dieses Licht ist für mich mein Christus, mein kleiner Christus. Er ist schmächtig und unscheinbar, aber sein Gesicht leuchtet wie die Sonne, sein Anlitz ist wie der Blitz.“
Jeder Besucher wird einbezogen – am Tisch des letzten Abendmahls
Auch die Dramaturgie der Ausstellung, ihr Aufbau, ihre Abfolge nimmt gefangen. Beim Eintritt begegnen die Antlitzbilder Christi. Danach halbfigurige, dann oben die ganzfigurigen Christus-Bildnisse. Auch die Thematik steigert sich in diesem Aufstieg, wird immer umfassender.
Und nicht nur Gemälde – in größeren bis großen Formaten zu 5 x 2 Metern – erwarten den Besucher. Die Eindrücke werden durchmischt mit Skulpturen (auch einer Mutter-Gottes-Keramik von Heide Warlamis) und modernsten Kunstformen: Videos und Installationen. Der Tisch des letzten Abendmahls bietet Platz zum Sitzen, das leere Grab Christi kann wie eine Höhle betreten werden. „Meine Ausstellungskonzeption ist wie ein Filmprojekt, ein Theaterprojekt. In diese Inszenierung wird jeder einbezogen.“
Kindlicher Trost – Erinnerung an den griechischen Bürgerkrieg
Makis Warlamis ist in Griechenland aufgewachsen. Im griechischen Bürgerkrieg (1946-1949), bald nach dem Ende der deutschen Besatzung, wurde sein Vater erschossen, erzählt er im Gespräch. Sein Vater, sein Lehrer und andre Menschen, die er als Kind kannte.
Seine Mutter war tiefgläubig. Mit ihr auf der Flucht und untergebracht in einer griechisch-orthodoxen Kirche, war nächtens in dieser Kirche die Kerze, deren Schein Christus verkörperte, sein kindlicher Trost. „Das war für mich so eine Art Anker oder Retter. Jemand, der mich schützt“, erinnert sich Warlamis im Gespräch mit magzin.at.
“Ich habe Christus in New York gesehen, in Wien und im Waldviertel”
„Mein Christus. Ich muss ihn suchen und finden. Er ist in mir“, sagt Warlamis. „Ich habe ihn in New York gesehen, in Wien und im Waldviertel.“ – „Meine Kunst ist es, dieses Bild in mir sichtbar zu machen, festzuhalten – obwohl damit eine Menge Probleme auftauchen.“ Wie lässt sich das geistige Bild auf eine weiße Fläche bringen? Wie seine Doppelnatur zeigen und bewahren?
Warlamis Christus-Bilder sind inspiriert von der ganzen europäischen Kunstgeschichte. Er stellt diese sozusagen wieder her. Sei es die byzantinische Ikonenmalerei. Oder Bilder, die die Stile der großen Meister der Kunstgeschichte aufgreifen – wie El Greco, Velázquez, Rembrandt, Rubens oder Caravaggio. Auch Bildzitate ihrer Werke erscheinen bei Warlamis.
600 Grad heißes Feuer – subversive Techniken des Malens
Und doch ist alles Gestus modernster Kunst. Übermalungen, Verfremdungen, überliegende Folien, die die Doppelnatur Christi materialisieren, Verfleckungen, Aufrauungen. Surreale und naive Kompositionen usw. Synoptische Verdichtungen. Eine unglaubliche Fülle und Variationsbreite, gleich einem üppigen Festmahl. „Mein Christusbild ist eine unendliche Synthese alter Darstellungen im Zeitraum von mehreren tausend Jahren. Wie eine unendliche Projektion tausender Bilder der Vergangenheit.“
Selbst mit 600 Grad heißem Feuer rückte Warlamis manchen seiner Christus-Bilder zu Leibe; in einer Art alchemistischem Prozess: „Ich muss viele subversive Techniken anwenden“, beschreibt das Warlamis. „Und in diesem Verwandlungsprozess taucht Er unverhofft auf.“ – Er, der Christus.
Christus als Pantokrator – Privataudienz beim Papst
Keins der fast 200 Christus-Bilder von Warlamis gleicht dem anderen. Nur Christus kehrt in gleicher Haltung in (fast) allen wieder – wie ein Archetyp, ein Urbild: „Christus ist immer aufrecht. Er ist der Segnende“, erklärt Warlamis im Gespräch. „Für mich ist er diese senkrechte Linie, die von unten nach oben zeigt.“
Zugleich ist dieses Urbild Christus als Pantokrator – wie in der griechisch-orthodoxen, byzantinischen Ikonenmalerei. Christus als Pantokrator – das heißt als „All- und Weltenherrscher“. Die griechische Herkunft Warlamis ist keineswegs unbedeutend. Die vorsokratische und die neuplatonische antike Philosophie sind ihm, wie der griechisch-orthodoxen Kirche überhaupt, vertrauter.
Zu deren Oberhäuptern, den Metropoliten, unterhält Warlamis engeren Kontakt. Aber auch der Papst hatte ihn, wegen seiner Christus-Bilder, vor zwei Jahren zu einer Privataudienz nach Rom geladen.

Ein Weltchristus wie bei El Greco
„El Greco“, lässt Warlamis im Gespräch tiefer blicken, „ist natürlich ein leuchtendes Vorbild.“ El Greco („der Grieche“, 1541-1614), einer der größten Maler der spanischen Kunstgeschichte und der Spätrenaissance, war auch Meister der byzantinischen Ikonenmalerei. „Er hat versucht, daraus eine Art manieristischer Form auch für den Westen zu kreieren. Und hat so einen Weltchristus geschaffen.“
Einen „Weltchristus“ – das heißt ein Christus-Bild, das die Bildsprache Roms und Konstantinopels verbinden sollte, das Erbe der beiden großen christlichen Kirchen und Welten, der römisch-katholischen und der oströmisch-byzantinischen. Ein „Synkretismus“, der auf Universalität, auf das Gemeinsame und Verbindende zielt.
Und auch bei Warlamis ist Christus – auch eben in diesem Sinne – ein universeller Weltchristus: „Mit der unendlichen Bildvibration will ich sichtbar machen, dass wir nicht einen einzelnen Bildtypus festhalten sollten, keinen evangelischen, katholischen oder orthodoxen Christus – denn wir könnten ihn in der nächsten Sekunde aus den Augen verlieren.“
Rückschauende Postmoderne – der Geist ist zeitlos
„Rückschauende Postmoderne“ nennt Warlamis seine eigene Kunstkonzeption. „Heute besteht die Gefahr, dass wir für alle Zeiten die Kunstgeschichte verlieren. Daher habe ich mir gedacht, ich hole sie in meinen Bildern zurück. Leihe sie mir zusagen.“

Aber noch ein anderes, tieferes Element trägt sein Verständnis: „Es ist alles synchron“, sagt Warlamis, „deswegen spielt Zeit für mich keine Rolle. Alle Zeiten sind vorhanden. Man braucht sie nur zu holen. Sie leuchten, sie vibrieren. Alle diese Zeiten. Und ein Raffael vibriert, ein Rembrandt und ein El Greco vibriert.“
Die moderne Kunst ist frei, sagt er. Sie kann heute alles aufgreifen. „Darum geht es, aktuell zu sein in der Kunst, und gleichzeitig aber zeitlos. Deswegen sage ich ja, der Geist hat keine Zeit.“
Christus ist die universelle Liebe
Mittelpunkt von Warlamis-Christus Auffassung ist aber die universelle Liebe, wie wohl in vollendeter Form in Paulus 1 Kor 13 ausgedrückt, dem Hohelied der Liebe. „Gott ist für mich kein abstrakter Begriff. Gott ist für mich die unermessliche Liebe. Und Liebe ist mein höchstes Gut“, sagt Warlamis im Gespräch.
„Liebe ist ein Mysterium, und kein bloßes Wort. Und sie ist die Bindung aller Seelen, weil ich denke, dass alle Menschen im Grunde miteinander verwandt und verbunden sind.“
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1 Kor 13, Paulus – das Hohelied der Liebe:
“Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete,
hätte aber die Liebe nicht,
wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.
Und wenn ich prophetisch reden könnte
und alle Geheimnisse wüsste
und alle Erkenntnisse hätte;
wenn ich alle Glaubenskraft besäße
und Berge damit versetzen könnte,
hätte aber die Liebe nicht,
wäre ich nichts.”
(1 Kor 13, 1-2 – zit. nach: Das Neue Testament, Einheitsübersetzung, 1981, Österr. Kath. Bibelwerk)
Jahresausstellung “Christus Heute – Faszination.Christus.Erleben”
noch bis 15. Jänner 2012
Das Kunstmuseum Waldviertel
3943 Schrems, Mühlgasse 7a
Tel. 02853 / 72 888 – 0
Öffnungszeiten: 10 – 17 Uhr
Eintrittspreis: 7 Euro (erm. und Gruppen: 5,50 Euro / Kinder: 4 Euro)
freier Eintritt mit NÖ-Card
www.daskunstmuseum.at






















































