
Hilberts Hotel - aus den Mathemagischen Bildern von Martina Schettina (Bild: © VBK)
Kunst, die mathematische Theorien visualisiert – seit Mittwoch zeigt die Landhausgalerie in St. Pölten Martina Schettinas faszinierende „Mathemagische Bilder – von Pythagoras bis Hilbert“. Schon in Wien und Tulln war einiges daraus zu sehen. Zuletzt im Frühling im Wiener Palais Ferstel. Es sind aber viele Bilder neu hinzugekommen – die Bildserien zur Mathematik des 20. Jahrhunderts.
Blau ist Leibniz und das göttliche Element
Schettina arbeitet stets in Bildserien, wobei deren Zusammenhang in den Farbpaletten deutlich wird. So ist Blau die Grundfarbe für Leibniz, den überragenden Mathematiker und Philosophen der Frühaufklärung (1646-1716). „Leibniz ist sehr stark von der Theologie und Philosophie hergekommen. Das Göttliche hat bei ihm große Bedeutung. Und dieses göttliche Element ist für mich die Farbe Blau“, erläutert Schettina im Gespräch mit magzin.at. Die gebürtige Wienerin lebt seit 1989 in Niederösterreich, in Langenzersdorf.
Neben jedem Bild ist in der Ausstellung „Mathemagische Bilder“ ein Text zu lesen, der die mathematische Idee beschreibt, die darin umgesetzt wurde. Tatsächlich geht es nicht nur um Kunst, sondern um Kulturvermittlung. Die Visualisierung der Mathematik soll helfen, sie leichter zu verstehen.
Bazon Brock und “Action-Teaching”
Didaktik und Kunst verbinden sich hier. Schettina hat, ganz in diesem Sinne, ein eigenes künstlerisch-mathematisches „Action-Teaching“ entwickelt. Inspiriert vom deutschen Künstler Bazon Brock, mit dem sie seit drei Jahren eng kooperiert.
Vor einem Jahr haben die beiden in Berlin, im Deutschen Historischen Museum, dieser Konzeption gemäß eine Performance zum „Orakel von Delphi“ aufgeführt. Das war ein geschichtlich-philosophischer Vortrag von Brock. Und Schettina als Pythia verkleidet, das die Geschichte der Mathematik – von den alten Griechen bis heute – vor dem Publikum entfaltete.
Schettinas Suche nach Harmonie und der Schönheit
Dass die Didaktik die Kunst gerne „rationalisiert“, zu einer bloßen Illustration von Wissbarem, Lernbarem degradiert, ist ein altbekanntes Phänomen der Kunst- und Literaturgeschichte. Die Schulmeister hatten stets Appetit, die Kunst einem lehrhaften Zweck zu beugen.
Aber das scheint weit weg von Schettina. Das Ästhetisch-Sinnliche und Offene, Weittragende überwiegt fein und kraftvoll, lässt das sozusagen Intelligible im Stofflich-Formlich-Farblichen aufscheinen, wie schwebend, ohne es zu verdinglichen, restlos handbar, leicht verfügbar zu machen.
Wohl aus ihrem Fragegrund heraus, dem der großen Mathematik und der ganz großen Philosophie der Jahrhunderte – einer Philosophie, die nicht erst, wie heute viele glauben, im 18. Jahrhundert Ästhetik als Fachdisziplin exponieren musste, um Begriff von Idee, von Wahrnehmung und Erfahrung zu unterscheiden und in letzterem sogar das Umfassendere zu sehen – : „Für mich“, sagt Schettina, „sind die Harmonie und die Schönheit etwas, wonach ich lange gesucht habe. Zuerst habe ich versucht, sie in der figurativen Malerei zu finden. Ich habe sie dann letztlich in der Mathematik wiedergefunden.“
Die Ausstellung „Mathemagische Bilder“ ist in der Landhausgalerie Ausstellungsbrücke im Niederösterreichischen Landhaus in St. Pölten vom 9. bis 30. November zu sehen.
weitere Infos zur Künstlerin Martina Schettina unter:
www.schettina.com






















































